Reime und Verse über Vierbeiner.....

  • Die Maus


    Es wollte eine kleine Maus
    - im Keller wohnhaft - hoch hinaus;
    und eines Nachts, auf leisen Hufen,
    erklomm sie achtundneunzig Stufen
    und landete mit Weh und Ach
    ganz oben, dicht unter dem Dach.
    Dort wartete bereits auf sie
    die Katze, namens Doremi.


    Kaum, daß das Mäuslein nicht mehr lebte,
    geschah's, daß eine Fledermaus
    ein paarmal um die Katze schwebte,
    zur Luke flog und dann hinaus.
    Da faltete die Katz', die dreiste,
    die Pfoten und sprach: 'Ei, wie süß!
    Da fliegt die Maus, die ich verspeiste,
    als Engelein ins Paradies!'


    Heinz Erhardt

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  • Die Made


    Hinter eines Baumes Rinde
    Wohnt die Made mit dem Kinde.


    Sie ist Witwe, denn der Gatte,
    Den sie hatte, fiel vom Blatte.
    Diente so auf diese Weise
    Einer Ameise als Speise.


    Eines Morgens sprach die Made:
    "Liebes Kind, ich sehe gerade
    Drüben gibt es frischen Kohl,
    Den ich hol. So leb denn wohl!
    Halt noch eins! Denk, was geschah,
    Geh nicht aus, denk an Papa!"


    Also sprach sie und entwich.
    Made junior aber schlich
    Hintendrein, und das war schlecht!
    Denn schon kam ein bunter Specht
    Und verschlang die kleine fade
    Made ohne Gnade. Schade!


    Heinz Erhardt


    okey...ne made ist kein Vierbeiner...aber tierisch gutes Gedicht....;-)))

    ~~~Gibt es eine bessere Form mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor? ~~~
    ~~~Mein Leipzig lob ich mir (Goethe)~~~

  • Der Panther


    Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
    so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.


    Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
    der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
    ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
    in der betäubt ein großer Wille steht.


    Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
    sich lautlos auf. Dann geht ein Bild hinein,
    geht durch der Glieder angespannte Stille -
    und hört im Herzen auf zu sein.


    Rainer Maria Rilke

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  • Ein Hase saß im tiefen Tal


    Ein Hase saß im tiefen Tal
    übt Segelflug wie Lilienthal.
    Der Apparat steigt in die Luft,
    der Motor rattert, knattert, pufft…


    Bei tausend Meter angelangt,
    der Kasten plötzlich schaurig schwankt.
    Der Hase denkt, das geht famos,
    nimmt seinen Fallschirm und springt los.


    Kurz vor der Landung, welche Not,
    sieht er ein Schild: "Hier Parkverbot!"
    Der Hase denkt: "Das macht ja nischt,
    wenn mich kein Polizist erwischt.


    Doch leider war, o Häslein, ach,
    das Auge des Gesetzes wach.
    Denn kaum gedacht, war's schon passiert,
    ein Schutzmann ihn zur Wache führt.


    Den armen Hasen sperrt man ein
    bei trocken Brot und Gänsewein.


    Susanna Agnelli

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  • Ein Wiesel
    saß auf einem Kiesel
    inmitten Bachgeriesel.


    Wißt ihr,
    weshalb?


    Das Mondkalb
    verriet es mir
    im Stillen:


    Das raffinier-
    te Tier
    tats um des Reimes Willen.


    von Christian Morgenstern

  • Die Ameisen


    In Hamburg lebten zwei Ameisen,
    Die wollten nach Australien reisen.
    Bei Altona auf der Chaussee
    Da taten ihnen die Beine weh,
    Und da verzichteten sie weise
    Dann auf den letzten Rest der Reise.
    So will man oft und kann doch nicht
    Und leistet dann recht gern Verzicht.


    Joachim Ringelnatz

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  • Das Leben eines Aals


    Es schwimmt ein junger, grüner Aal
    Mit Vollgas durch den Fluss,
    Weil er, so will es die Natur
    Geschlechtsreif werden muss.


    So sehr er sich darum bemüht,
    Die Männlichkeit nicht wächst;
    Kopfschüttelnd sieht ein Lachs ihm zu,
    Der auf `nem Fels relächst.


    Und kichernd sprach: „Du musst ins Meer,
    Damit dein Teil gedeiht;
    Stromabwärts, aber sei gewarnt,
    Bis dahin ist es weit.“


    Fort flitzt der Aal gleich einem Blitz,
    Gar über Stock und Stein;
    Geschafft! Der Knabe ist am Ziel,
    Erhält den Zeugungsschein.


    Drauf schlüpft sein Würmlein, pfefferscharf
    Geht er auf Brautausschau;
    Aus pfefferscharf wird nagelspitz,
    Dann trifft er seine Frau.


    Und schleppt sie vor den Trau(a)altar,
    Zwölf Söhne müssen her;
    Die wandern in den fernen Fluss,
    Die Eltern gibt’s nicht mehr.


    (von Jürgen Feger )

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  • Die Schlange


    Der Schlange
    wurde bange
    Schon lange war das Le'hm
    ihr unangenehm.


    Sie sagte voller Sorgen
    aufgrund dessen, was ihr dräute:
    „Ob ich mich besser morgen
    oder doch schon heute häute?


    Hab' ich überhaupt die Wahl?
    Meine Schale ist schon schal!


    Wobei ich nicht verhehle,
    daß ich mich nicht selten quäle,
    wenn ich mich aus meiner schalen Schale schäle...


    Uh, das wird weh tun!
    Doch egal, ich muss es eh tun!


    Die Zeit ist reif nicht mehr zu kneifen!
    Drum werd' ich mich an mir vergreifen,
    um mir ohne abzuschweifen,
    meine Schale abzustreifen!"


    Sprach sie, hat sich dann aber doch nicht getraut.
    Tja. Sie kam halt nicht aus ihrer Haut.


    (von Bodo Wartke)

    Nimm das Leben nicht so ernst - es ist nicht von Dauer


    übrigens: ich hab jetzt keine Wurst mehr, dafür ein Baby, und was für eins *rofl* :ballett:

  • Möwenlied


    Die Möwen sehen alle aus,
    als ob sie Emma hießen.
    Sie tragen einen weißen Flaus
    und sind mit Schrot zu schießen.


    Ich schieße keine Möwe tot,
    Ich lass sie lieber leben -
    und füttre sie mit Roggenbrot
    und rötlichen Zibeben. (Rosinen)


    O Mensch, du wirst nie nebenbei
    der Möwe Flug erreichen.
    Wofern du Emma heißest, sei
    zufrieden, ihr zu gleichen.


    Christian Morgenstern

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  • Ein Leu, der einen Pneu fund,
    setzte sich drauf - ohne Scheu, und
    etliche Luft entwich.


    Das Geräusch war fürchterlich.
    Seitdem hat der Leu, der den Pneu fund,
    keinen sehr guten Leumund!


    von Jo Schulz

  • Ein Kaninchenpapa
    namens Karl Töffel
    liebte sein Weib,
    ob Sommer, ob Winter -
    die Kinder
    spitzten die Löffel.
    Ihr kriegt paar dahinter,
    sagte Herr Töffel.


    Wir müssen die Kinder aufklären,
    sagte Frau Töpffel.
    Wenn wir schön dumm wären,
    sagte Herr Töffel
    und legte sich um:
    Kumm!
    Wer guckt, kriegt paar hinter die Löffel.
    Schrumm!


    von Jo Schulz


  • W und S verwechselt....verflixt

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  • Spatz und Spätzin


    Auf dem Dache sitzt der Spatz,
    Und die Spätzin sitzt daneben,
    Und er spricht zu seinem Schatz:
    "Küsse mich, mein holdes Leben!


    Bald nun wird der Kirschbaum blühn,
    Frühlingszeit ist so vergnüglich;
    Ach! Wie lieb' ich junges Grün
    Und die Erbsen ganz vorzüglich!"


    Spricht die Spätzin: "Teurer Mann,
    Denken wir der neuen Pflichten,
    Fangen wir noch heute an,
    Uns ein Nestchen einzurichten!"


    Spricht der Spatz: "Das Neste baun,
    Eier brüten, Junge füttern
    Und dem Mann den Kopf zu kraul'n
    Liegt den Weibern ob und Müttern."


    Spricht die Spätzin: "Du Barbar!
    Soll ich bei der Arbeit schwitzen,
    Und du willst nur immer dar
    Zwitschern und herum stibitzen?"


    Spricht der Spatz: "Ich will dir hier
    Mit zwei Worten kurz berichten:
    Für den Spatz ist das Pläsier,
    Für die Spätzin sind die Pflichten!"


    (Karl August Mayer)

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  • Es sitzt ein Vogel auf dem Leim


    Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
    Er flattert sehr und kann nicht heim.
    Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
    Die Krallen scharf, die Augen gluh.
    Am Baum hinauf und immer höher
    Kommt er dem armen Vogel näher.


    Der Vogel denkt: Weil das so ist
    Und weil mich doch der Kater frisst,
    So will ich keine Zeit verlieren,
    Will noch ein wenig quinquilieren
    Und lustig pfeifen wie zuvor.
    Der Vogel, scheint mir, hat Humor.


    Wilhelm Busch

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  • Hund und Katze

    Miezel, eine schlaue Katze,
    Molly, ein begabter Hund,
    Wohnhaft an demselben Platze,
    Hassten sich aus Herzensgrund.


    Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
    Bei gesträubter Haarfrisur,
    Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
    Ist von Liebe keine Spur.


    Doch wenn Miezel in dem Baume,
    Wo sie meistens hin entwich,
    Friedlich dasitzt, wie im Traume,
    Dann ist Molly außer sich.


    Beide lebten in der Scheune,
    Die gefüllt mit frischem Heu.
    Alle beide hatten Kleine,
    Molly zwei und Miezel drei.


    Einst zur Jagd ging Miezel wieder
    Auf das Feld. Da geht es bumm.
    Der Herr Förster schoss sie nieder.
    Ihre Lebenszeit ist um.


    Oh, wie jämmerlich miauen
    Die drei Kinderchen daheim.
    Molly eilt, sie zu beschauen,
    Und ihr Herz geht aus dem Leim.


    Und sie trägt sie kurz entschlossen
    Zu der eignen Lagerstatt,
    Wo sie nunmehr fünf Genossen
    An der Brust zu Gaste hat.


    Mensch mit traurigem Gesichte,
    Sprich nicht nur von Leid und Streit.
    Selbst in Brehms Naturgeschichte
    Findet sich Barmherzigkeit.


    Wilhelm Busch

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  • Der Kabeljau


    Das Meer ist weit, das Meer ist blau
    im Wasser schwimmt ein Kabeljau.
    Da kommt ein Hai von ungefähr
    ich glaub von links, ich weiß nicht mehr,
    verschluckt den Fisch mit Haut und Haar,
    das ist zwar traurig, aber wahr.
    Das Meer ist weit, das Meer ist blau
    im Wasser schwimmt kein Kabeljau.


    Heinz Erhardt

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